Sehnsucht nach Kontakt

In einem einmaligen Projekt haben 24 Stipendiatinnen und Stipendiaten etwas Berührendes geschaffen: Der Tanzfilm KONTAKT entstand aus mit dem Handy gefilmten Sequenzen, die die Kinder und Jugendlichen bei sich zuhause aufgenommen hatten. Tänzerisch drücken sie aus, was ihnen in der Zeit der Kontaktsperren fehlte, was ihnen Mut machte und was ihnen Verbindungen zur Außenwelt bedeuten.

Die Kinder und Jugendlichen im Alter von 10 bis 18 Jahren sollten beim ersten digitalen Tanzprojekt der Roland Berger Stiftung selbst entscheiden, welche Bewegungen und Figuren ihre Stimmung in Corona-Zeiten am besten ausdrücken. „Zeigt im Tanz, wie es Euch geht, was KONTAKT Euch bedeutet und wo er Euch gerade fehlt“, hatte Choreograph Alan Brooks die Teilnehmenden aufgefordert. Das taten sie mit Begeisterung. 

Gefilmt wurde im Wohnzimmer, im eigenen Zimmer, im Hausflur, im Hof, mit dem Handy und mit Hilfe der Geschwister oder Eltern. Es wurde improvisiert, was das Zeug hielt. Immer mit einem hohen Anspruch an den künstlerischen Ausdruck, oft mit erstaunlicher Eleganz und Kraft. Zeigt, wie sehr Ihr Euren besten Freund oder Eure beste Freundin vermisst, hatte Brooks die Phantasie der Mädchen und Jungen angeregt.

„Meine Idee zum Video war, die positiven Erinnerungen an vorangegangene Tanzprojekte aufzugreifen und in die in vielerlei Hinsicht beschränkte Corona-Zeit zu integrieren. Trotz der Kontaktsperren konnten die Stipendiaten gemeinsam ein Seminarprojekt erarbeiten und sich verbinden“, erklärt Evelin Boden, regionale Projektleiterin Bayern und Impulsgeberin.

Die vielen Video-Einsendungen überwältigten den renommierten Münchner Tänzer und Choreographen Brooks. Überrascht haben sie ihn nicht. Es war ja nicht das erste Mal, dass er mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten der Stiftung arbeitete. „Ich weiß, wie nah sie sich in normalen Zeiten fühlen, wie gut sie miteinander sind. Jetzt ist es ihnen gelungen, ihre eigene Stimme zu finden in einer Zeit, die uns alle sprachlos macht.“ Geschnitten und vertont wurden die Video-Sequenzen von Jens Corvin bzw. Basement Jaxx & Metropole Orkect. Das Ergebnis lässt keinen kalt.

„Mich hat das Video berührt, weil man deutlich sieht, wie sehr die Tanzenden das normale Leben vermissen“, sagte Vorstand Regina Pötke. „Als die Aufnahmen entstanden, hatten unsere Stipendiatinnen und Stipendiaten ja schon viele Wochen Corona-Lockdown und eingeschränkten Schulunterricht mit Social Distancing hinter sich.“

„Man könnte dem Video auch den Titel ‚Vergesst uns nicht‘ geben“, so Regina Pötke. „Kinder und Jugendliche aus nicht begüterten oder belasteten Elternhäusern sind doppelt Leidtragende der Corona-Krise. Leider hatte man in den vergangenen Monaten nicht den Eindruck, dass sie auf der Prioritätenliste der Verantwortlichen im Pandemie-Management weit oben standen. Wir waren deshalb froh und auch ein bisschen stolz, dass Digitalität schon lange zur DNA des Deutschen Schülerstipendiums gehört und wir die Kinder und Jugendlichen dank eingespielter digitaler Kommunikationswege auch im Corona-Lockdown begleiten konnten.“