Freundschaft auf den ersten Blick

Als das Deutsche Schülerstipendium 2009 in Berlin und Brandenburg ins Leben gerufen wird, gehört David zu den Stipendiaten der ersten Stunde. Der Fünftklässler ist eines der ausgewählten Kinder der Grundschule am Priesterweg in Potsdam, die in den Genuss des umfassenden Förderprogramms kommen sollten. Acht Jahre lang wird der hagere Junge mit den Sommersprossen und dem roten Haarschopf Stipendiat im Deutschen Schülerstipendium sein. Eine lange Zeit, die für ihn zahlreiche Höhen und Tiefen bereithält...

Bettina Abarbanell lebt mit ihrer Familie in Potsdam, wo sie als Literaturübersetzerin arbeitet. In dem Jahr, in dem David in die Stiftung aufgenommen wird, beginnt sie ihr ehrenamtliches Engagement in einem der Plattenbauviertel der Stadt, in der Mittagsbetreuung in der Grundschule am Priesterweg. David fällt ihr in der Schulkantine schon auf, lange bevor er ihr Mentee wird.

Später wird David sagen, es sei „Freundschaft auf den ersten Blick“ gewesen, denn zu seiner Mentorin hat er von Anfang an ein gutes Verhältnis. Bettina war und ist für David Stütze, Gesprächspartnerin, Ratgeberin und eine Person, mit der er in der Freizeit gerne auf Entdeckungstour geht. Im Laufe der Jahre entdeckt er gemeinsam mit seiner Mentorin seine Liebe zu Musicals, aber auch zum Theater. Oft treffen sich beide zum Pizzaessen und Reden, was mit der Zeit fast so etwas wie ein Ritual wird.

David wächst bei seinem alleinerziehenden Vater auf, was für den Jungen nicht immer ganz einfach ist. Die Kommunikation zwischen Vater und Sohn ist schwierig, oft gibt es Streit und David fühlt sich hilflos. In solchen Situationen ist es seine Mentorin, die zwischen Vater und Sohn vermittelt, deeskaliert und dabei immer viel Verständnis und ein offenes Ohr für den Jungen hat. So auch Jahre später bei seiner Entscheidung vom Gymnasium in die Gesamtschule zu wechseln. Er wolle mehr Zeit gewinnen und das Abitur in 13 Jahren absolvieren. Und er wolle mit Gleichgesinnten zusammen sein, die aus demselben Stadtviertel kommen wie er und von denen er sich mehr Verständnis für seine Lebenssituation erhoffte als von den „verwöhnten“ Jugendlichen am Gymnasium. Trotz aller Bedenken und Zweifel, die Bettina bei dieser Entscheidung hat, steht sie hinter ihm, unterstützt ihn und hat unerschütterliches Vertrauen in ihn und seinen selbst gewählten Weg. Nach einem Jahr auf der neuen Schule ist der Enthusiasmus verflogen und Enttäuschung macht sich breit über Mitschüler, die kein Interesse am Unterrichtsstoff haben, über das schlechte Arbeitsklima und mangelnde Herausforderungen. Der Wechsel zurück ans Gymnasium würde nicht so einfach zu organisieren sein, das weiß David. Dennoch lässt er sich nicht beirren und nimmt die Sache selbst in die Hand, mit Erfolg.

Inzwischen hat David sein Abitur in der Tasche und absolviert ein duales Studium für den gehobenen Zolldienst. Den Studienplatz bekommt er gleich beim ersten Versuch und teilt seine Freude über den Erfolg sofort mit seiner Mentorin. Und obwohl David nun Alumnus und seine aktive Zeit als Stipendiat und Mentee beendet ist, hat das an der Freundschaft zu seiner Mentorin nichts geändert.

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