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Zur aktuellen PISA-Studie

München, 3. Dezember 2019: Vor einer bedrohlichen Spaltung der deutschen Gesellschaft hat die Roland Berger Stiftung anlässlich der Ergebnisse der aktuellen Pisa-Studie gewarnt. Die Bildungsforscher der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hatten im Erhebungsjahr 2018 in Deutschland 5451 Jugendliche im Alter von 15 Jahren getestet, der Schwerpunkt in diesem Jahr lag auf der Lesekompetenz. Fazit: Die Kluft zwischen sehr starken und extrem schwachen Schülerinnen und Schülern wird immer größer. Gleichzeitig hängt die Leistungsfähigkeit in Deutschland viel stärker von der sozialen Herkunft ab, als im OECD-Schnitt.

„Die aktuelle Pisa-Studie zeigt, dass die Spaltung unserer Gesellschaft in punkto Bildung dramatische Ausmaße annimmt“, sagte Regina Pötke, Vorstand der Roland Berger Stiftung. „Ein wichtiger Aspekt des Wandels ist, dass der Anteil der getesteten 15-Jährigen mit Migrationshintergrund von 26 Prozent im Jahr 2009 auf 36 Prozent im Jahr 2018 gestiegen ist. Die Herausforderungen in den Klassenzimmern sind immens, unsere Lehrerinnen und Lehrer brauchen deshalb viel mehr Unterstützung. Dazu gehört mehr Personal mit multiprofessionellen Teams einschließlich Sozialpädagogen und Psychologen. Die Wahrheit lautet, dass Schule von heute Erziehungsaufgaben übernehmen MUSS. Sie ist die einzige gesellschaftliche Institution, die leistungsrelevante Mängel in den Elternhäusern ausgleichen und zu mehr Chancengerechtigkeit beitragen kann.“

Die Studie hatte gezeigt, dass 21 Prozent der Schülerinnen und Schüler in Deutschland erhebliche Mühe haben, altersgerechte Texte zu lesen und zu verstehen. An anderen Schulen als Gymnasien waren es sogar im Schnitt 29 Prozent. Die OECD nahm dies zum Anlass, vor einer Ausgrenzung „von Menschen mit niedrigen Basiskompetenzen“ zu warnen. Die Ergebnisse seien eine dringende Aufforderung, in der Schule niemanden zurückzulassen und „allen jungen Menschen die Kompetenzen zu vermitteln, die sie brauchen, um in der Informationsgesellschaft des 21. Jahrhunderts zu bestehen“.

Vor dem Hintergrund der Migration in das deutsche Schulsystem verwies Regina Pötke auf das Deutsche Schülerstipendium, das die Roland Berger Stiftung seit elf Jahren deutschlandweit vergibt. Aktuell werden rund 700 sozial benachteiligte, aber begabte Kinder und Jugendliche im Alter von sieben bis 19 Jahren gefördert, rund 70 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Ziel der Förderung ist das Abitur, das über 90 Prozent der Stipendiatinnen und Stipendiaten auch absolvieren. Dabei wird regelmäßig eine Abitur-Note erreicht, die über dem bundesdeutschen Jahrgangs-Schnitt liegt.

„Mit den Resultaten des Deutschen Schülerstipendiums beweist die Roland Berger Stiftung seit Jahren in der Praxis, dass Chancengerechtigkeit machbar ist. Man muss allerdings Mittel und Know-how in die Hand nehmen, um Kinder und Jugendliche besser zu unterstützen und sie individuell zu fördern. Dazu gehören digitale Tools, die längst auf dem Markt sind und die einen individualisierten Unterricht zulassen, wie er an deutschen Schulen bislang leider kaum stattfindet“, so Vorstand Regina Pötke. Die ehemalige Schulleiterin ist sich sicher: „Schulen sind hochpotente Organisationendie viel leisten und noch viel mehr leisten könnten, wenn man sie lässt.“  

 

Ellen Daniel                                                                      Regina Pötke      
Pressesprecherin                                                            Vorstand
Roland Berger Stiftung                                                   Roland Berger Stiftung

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Die Roland Berger Stiftung ist eine rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München. Sie wurde von Prof. Dr. h.c. Roland Berger am 27. März 2008 gegründet. Die Roland Berger Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von zunächst 50 Millionen Euro aus dem persönlichen Vermögen des Stifters dotiert und verfolgt zwei Zwecke. Beide dienen dem Ziel einer gerechteren Chancenverteilung: Mit dem regelmäßig verliehenen Roland Berger Preis für Menschenwürde ehrt die Stiftung Personen und Organisationen weltweit, die sich vorbildlich und erfolgreich für den Schutz der Menschenwürde einsetzen. Darüber hinaus fördert die Stiftung mit dem Deutschen Schülerstipendium begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen auf ihrem Bildungsweg zum Abitur.