Pressemitteilungen Stiftung

Umfrage Allensbach-Institut: Was Hänschen nicht lernt – Deutsche sorgen sich um die Grundschule

83 Prozent nennen Beherrschung der deutschen Sprache als wichtigstes Lernziel – Zwei Drittel der Eltern wollen mehr soziale Gerechtigkeit 

München, 8. Juli 2019 - Beim Bildungssystem sehen die Deutschen Handlungsbedarf vor allem an den Grundschulen. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage, die das Allensbach-Institut im Auftrag der Roland Berger Stiftung durchgeführt hat. Dabei wurden die Antworten der Bevölkerung insgesamt mit denen der Eltern von Kindern unter 16 Jahren verglichen. 

83 Prozent der Deutschen halten die „gute Beherrschung von Rechtschreibung und Grammatik“ für das wichtigste Lernziel. Dabei hatten die Befragten offenbar auch die Sprachprobleme von Kindern mit Migrationshintergrund vor Augen: 76 Prozent der Eltern sind der Meinung, dass Kindern mit Sprachproblemen zusätzliche Deutschkurse angeboten werden sollten – und zwar verpflichtend. Bei der Gesamtbevölkerung waren 72 Prozent der Meinung, es solle verpflichtende Deutschkurse geben.

Zu große Klassen sind ein weiteres Thema, das die Eltern beschäftigt: 77 Prozent wünschen sich eine Verkleinerung der Klassen (Gesamtbevölkerung: 65 Prozent). Eine bessere Ausstattung mit Computern halten zwei Drittel der Eltern für dringend erforderlich (Gesamtbevölkerung 57 Prozent). Auch das Thema soziale Gerechtigkeit steht weit oben: Fast zwei Drittel der Eltern (64 Prozent) halten die Förderung von begabten, aber sozial benachteiligten Kindern schon in der Grundschule für eine vordringliche Aufgabe der Bildungspolitik.

„Die Menschen haben Sorge, dass uns wertvolle Talente schon in jungen Jahren verloren gehen“, so Roland Berger, der seit 2008 mit seiner privaten Stiftung begabte Jungen und Mädchen aus sozial schwachen Familien mit dem Ziel Abitur unterstützt. „An unseren Schulen müssen alle Kinder und Jugendliche den Bildungsabschluss erreichen, der ihrem Talent entspricht, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft“, sagte Berger weiter. „Ein sozialer Aufstieg ist für Kinder hierzulande viel schwerer als in anderen Ländern. Während in Deutschland 74 Prozent der Kinder aus Akademiker-Familien studieren, nehmen nur 21 Prozent der Kinder aus Nicht-Akademiker-Familien ein Studium auf. In Finnland sind es 39, in Kanada 42 Prozent. In Deutschland herrscht in der Bildung eine Chancenungerechtigkeit, die wir nicht hinnehmen dürfen.“

Auch das Problem von sogenannten Brennpunktschulen ist den Deutschen sehr präsent. Auf die Frage „Sollten Schulen, auf die besonders viele Kinder aus Zuwandererfamilien oder sozial schwachen Familien gehen, zusätzlich Geld erhalten, um mehr Lehrer oder zusätzliches Betreuungspersonal einzustellen?“ antworteten 65 Prozent der Gesamtbevölkerung mit Ja, nur 16 Prozent mit Nein. Der Rest war unentschieden. Bei den Eltern waren sogar 71 Prozent für mehr Geld für Schulen mit schwieriger Klientel.

Bei der Frage nach den wichtigsten Lernzielen wurde von den Eltern an zweiter Stelle nach gutem Deutsch die Allgemeinbildung (76 Prozent) genannt, gefolgt von Englischkenntnissen (74 Prozent) und guten Mathekenntnissen (66 Prozent). 59 Prozent der Eltern halten den Umgang mit dem Computer und dem Internet für ein wichtiges Lernziel. 

Die Ergebnisse zeigen, dass die Menschen ganz genau wissen, wo es in unserem Bildungssystem hakt, so Regina Pötke, Vorstand der Roland Berger Stiftung. „Besonders deutlich wird dies auch bei der digitalen Bildung, wo die Politik viel zu lange nicht geliefert hat. Unsere Stipendiaten dagegen erlernen schon als Grundschüler die Grundlagen des Programmierens und beschäftigen sich durchgehend bis zum Abitur mit digitalen Themen.“

Die Roland Berger Stiftung fördert begabte Kinder bereits im Grundschulalter. Mit dieser langjährigen Begleitung ist das „Deutsche Schülerstipendium“ einzigartig in Deutschland. Neu unter dem Dach der Roland Berger Stiftung ist das Ippen-Stipendium, das jetzt mit 42 Erst- und Zweitklässlern startete. Das nach dem Münchner Verleger und Stifter Dirk Ippen benannte Stipendium wendet sich ausschließlich an Grundschulkinder. Auch hier stehen begabte Kinder mit schwierigen Startbedingungen im Fokus. 

Alle Ergebnisse der Allensbach-Studie und weitere Informationen finden Sie auf unserer Website:

https://www.rolandbergerstiftung.org

Bei Rückfragen wenden Sie sich bitte an:

Ellen Daniel
Pressereferentin
Roland Berger Stiftung

T. +49 89 9544 526 -24
Mobil: + 49 / 171 / 8698131
ellen.daniel(at)rolandbergerstiftung.org

 

 

Die Roland Berger Stiftung ist eine rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München. Sie wurde von Prof. Dr. h.c. Roland Berger am 27. März 2008 gegründet. Die Roland Berger Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von zunächst 50 Millionen Euro aus dem persönlichen Vermögen des Stifters dotiert und verfolgt zwei Zwecke. Beide dienen dem Ziel einer gerechteren Chancenverteilung: Mit dem regelmäßig verliehenen Roland Berger Preis für Menschenwürde ehrt die Stiftung Personen und Organisationen weltweit, die sich vorbildlich und erfolgreich für den Schutz der Menschenwürde einsetzen. Darüber hinaus fördert die Stiftung mit dem Deutschen Schülerstipendium begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen auf ihrem Bildungsweg zum Abitur.