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Roland Berger zum Unterrichtsstart in der Corona Krise

Jetzt zeigt sich gnadenlos, dass Deutschland die Digitalisierung des Lernens versäumt hat. Corona ist eine Schockkur auch für unser Schulsystem.

Jedes Kind braucht Tablet oder Laptop – Krise nutzen für bundesweiten digitalen Masterplan – Schüler aus sozial benachteiligten Familien leiden am meisten

München, 23. April 2020 - Der Unternehmer und Stifter Roland Berger hat die Corona-bedingten Schulschließungen und Unterrichtsausfälle als „Schockkur für unser Schulsystem“ bezeichnet. „Jetzt rächt sich, dass wir bei der Digitalisierung des Lernens bislang versagt haben. Die Leidtragenden sind neben den Lehrern die Schüler und Eltern, vor allem aber die Schüler aus sozial benachteiligten Familien. Ich befürchte, dass 2020 zu einem katastrophalen Jahr für die Chancengerechtigkeit in der Bildung in Deutschland wird.“

Angesichts des andauernden Unterrichtsausfalls für große Teile der Schülerschaft sowie des völlig ungewissen weiteren Verlaufs der Pandemie müsse umgehend ein digitaler Masterplan umgesetzt werden: „Wir brauchen bundesweit schnelle Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen, in cloudbasierte und datenschutzsichere Plattformen, in geeignetes Lehrmaterial, in die Unterstützung der Lehrkräfte und in IT-Fachkräfte an den Schulen. Länder wie Estland, Finnland oder Singapur machen seit Jahren vor, wie es geht.“

Datenschutzsicherheit bei den digitalen Plattformen und ein von IT-Fachkräften an den Schulen gesicherter, reibungsloser Betrieb der Endgeräte ist nach Einschätzung der Roland Berger Stiftung von zentraler Bedeutung. Dies machte auch Stiftungsvorstand Regina Pötke deutlich, die viele Jahre als Schulleiterin an Münchner Gymnasien tätig war: „Das Lehrpersonal hat in den vergangenen Wochen enorme Kreativität bewiesen und improvisiert, was irgend möglich war. Es braucht jetzt endlich Rechtssicherheit und eine angemessene technische Infrastruktur.“

„Außerdem braucht jedes Kind und jeder Jugendliche ein geeignetes mobiles Endgerät, das heißt einen Tablet-Computer oder einen Laptop. Smartphones sind keine geeigneten Endgeräte für digitales Lernen, das haben Schüler und Eltern in den vergangenen sechs Wochen erfahren“, so Berger weiter.

„Wenn überlastete Eltern die Schulleitungen jetzt darum bitten, dass ihre Kinder zuhause möglichst wenig online arbeiten müssen, weil der einzige Computer im Haus von den Eltern fürs Homeoffice benötigt wird oder weil die Internetverbindung zu langsam ist, dann ist das sehr verständlich. Es ist aber auch ein unglaubliches Armutszeugnis für das Hightech-Land Deutschland. Jetzt ist die Politik gefordert.“

Angesichts der mangelnden technischen Ausstattung werde das von der Pandemie erzwungene Lernen zuhause auch sozial gravierendere Folgen haben als nötig, warnte Roland Berger. Dies gelte umso mehr, als die Unterrichtsausfälle auch nach den Osterferien andauern und Deutschlands Schüler nicht nur wiederholen und üben, sondern auch neuen Stoff lernen müssen. „Sozial benachteiligte Familien werden am meisten leiden. Kinder und Jugendliche, die ohnehin Schulschwierigkeiten haben, werden noch mehr Schwierigkeiten bekommen. Jüngere Kinder, in deren Elternhäusern kein oder wenig Deutsch gesprochen wird, werden in ihren Sprachkenntnissen massiv zurückgeworfen werden.“

Bei Ebbe sieht man, wer ohne Badehose im Wasser steht. An diese alte Investoren-Weisheit fühle ich mich aktuell erinnert. Wir sollten die für unser Bildungssystem dramatische Situation als ein Fanal zum Aufbruch begreifen und sofort handeln. Sonst wird es für Deutschland nicht nur peinlich, sondern teuer. Wissen und Innovation sind der Rohstoff, auf dem unser Wohlstand beruht.“

Die Roland Berger Stiftung fördert derzeit rund 700 begabte und leistungswillige Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Elternhäusern auf ihrem Weg zum Abitur. Diese Stipendiatinnen und Stipendiaten erhalten ein individuelles Förderprogramm, bei dem digitale Kompetenz bzw. digitale Souveränität fester Bestandteil ist. 

Alle Geförderten lernen programmieren und codieren. Alle erhalten einen Laptop bzw. ein Tablet mit individuell angepassten Lerntools. Diese Besonderheit bewährt sich in der Corona-Krise. Die Stiftungsmitarbeiter und die ehrenamtlichen Mentoren sind mit den Stipendiatinnen und Stipendiaten permanent im Online-Kontakt, versorgen sie mit Lernprogrammen und mit Anleitungen für eine sinnvolle und gesunde Freizeitgestaltung. Mehr Informationen und konkrete Beispiele liefert die Stiftung gerne auf Anfrage.

 

Pressekontakt:                
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Ellen Daniel
Pressesprecherin                                
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Die Roland Berger Stiftung ist eine rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in München. Sie wurde von Prof. Dr. h.c. Roland Berger am 27. März 2008 gegründet. Die Roland Berger Stiftung ist mit einem Stiftungskapital von zunächst 50 Millionen Euro aus dem persönlichen Vermögen des Stifters dotiert und verfolgt zwei Zwecke. Beide dienen dem Ziel einer gerechteren Chancenverteilung: Mit dem regelmäßig verliehenen Roland Berger Preis für Menschenwürde ehrt die Stiftung Personen und Organisationen weltweit, die sich vorbildlich und erfolgreich für den Schutz der Menschenwürde einsetzen. Darüber hinaus fördert die Stiftung mit dem Deutschen Schülerstipendium begabte Kinder und Jugendliche mit schwierigen Startbedingungen auf ihrem Bildungsweg zum Abitur