Menschenwürdepreis

Hilfe für Opfer der Flutkatastrophe in Sierra Leone

Flut fordert zahlreiche Opfer, darunter viele Kinder

Knapp vier Wochen ist es her, dass ein verheerender Erdrutsch die Menschen in Sierra Leones Hauptstadt Freetown im Schlaf überraschte und mit einem Schlag zahlreiche Leben und die Existenz von unzähligen Überlebenden ausgelöscht hat. Mehr als tausend Menschen sollen bei der Flutkatastrophe vom 14. August ums Leben gekommen sein, unter ihnen zahlreiche Kinder, viele Familien haben ihr Zuhause verloren. Der materielle Schaden wird auf mehrere hundert Millionen Dollar geschätzt. Zwar sind starke Regenfälle in Sierra Leone zu dieser Jahreszeit nichts Außergewöhnliches und der August gilt allgemein als Höhepunkt der Regenzeit, aber eine Flut solchen Ausmaßes gab es in der Geschichte des Landes bisher nicht. Sie traf die Bevölkerung völlig unerwartet. 


Soforthilfe dank Spendenaktion

Internationale NGOs und Menschenrechtsorganisationen starteten sofortige Hilfsmaßnahmen, die Roland Berger Stiftung konnte mit einer kurzfristigen Spendenaktion insgesamt 40.750 Euro an Spendengeldern sammeln. Die Mittel flossen an unsere diesjährige Preisträgerin Ann-Marie Caulker, die sich persönlich und mit der von  ihr gegründeten Katanya Women’s Development Association (KAWDA) in den vergangenen Wochen unermüdlich für überlebende Familien und Kinder der Flutkatastrophe eingesetzt hat und gemeinsam mit ihrem Ehemann Reverend Charles King insgesamt 100 Kinder aus dem Katastrophengebiet auf das Land in Sicherheit bringen konnte. KAWDA richtete kurzfristig Notunterkünfte in einer Schule und einer Kirche ein und konnte insgesamt 150 Überlebende in Pentagon (Freetown) sowie zwei weiteren Unterkünften in Sumbaria (Koinadugu) und in der nach Freetown zweitgrößten Stadt des Landes Bo unterbringen. Außerdem startete KAWDA eine Registrierung für Überlebende. Diese Registrierung diente auch als Grundlage für die Verteilung der vorhandenen Spendengüter, über deren Vergabe Interessensvertreter der jeweiligen Gemeinden und Begünstigte direkt entschieden, um sicherzustellen, dass die Mittel auch tatsächlich dort Verwendung fänden, wo sie am dringendsten gebraucht würden. Die Spendenvergabe erfolgte in Freetown, Sumbaria und Bo.  


"Nach vorne blicken und weitermachen"

Einem Bericht von KAWDA zufolge sollten ursprünglich 1.500 Opfer von den Spenden profitieren: 500 Erwachsene sollten Versorgungspakete bekommen, 1000 Kinder mit Lernmaterialien ausgestattet werden, davon 500 Kinder in Freetown, 250 in Sumbaria und 250 in Bo. Da die gesammelten Mittel leider nicht ausreichten, konnten vorerst nur 350 Kinder und 225 Erwachsene aus den drei Provinzen mit Spenden versorgt werden. Der andauernde Regen und die durch die Inflation bedingten hohen Kosten der Materialien erschweren derzeit die weitere Verteilung bzw. Anschaffung von Materialien. Dennoch lässt sich Ann-Marie Caulker nicht entmutigen und kämpft weiter für die Überlebenden: „Wir sind alle in tiefer Trauer, aber wir haben die Natur nicht unter unserer Kontrolle. Was wir aber tun können, ist, nach vorne zu blicken und zu überlegen, wie wir unser Leben weiterführen können.“ Für viele Kinder hatte die Verteilung der Lernmaterialien neben dem materiellen vor allem einen – viel bedeutenderen – ideellen Wert: Sie haben erkannt, dass die Möglichkeit einer weiteren Schulbildung für sie nicht in den Flutmassen untergegangen ist, und schöpfen wieder Hoffnung. Und die Erwachsenen, von denen eine hohe Zahl vor der Katastrophe geschäftstreibend war (vorrangig in der Landwirtschaft und im Kohlebetrieb), sehen dank der Spendenmittel eine Möglichkeit, ihren Betrieb wiederaufzubauen. Es wird noch lange dauern, bis die Menschen in Sierra Leone diese schreckliche Katastrophe überwunden haben. Um auch die restlichen zwei Drittel der von KAWDA registrierten betroffenen Überlebenden mit entsprechenden Spenden versorgen zu können, sind dringend weitere Mittel nötig. Auch kann der Betrieb an der „Royal King’s Primary School“, die von KAWDA betrieben wird und die durch die Schlammmassen von der Umgebung abgeschnitten wurde, nur mithilfe zusätzlicher Spenden wiederaufgenommen werden. 

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