Preisträgerin 2014/15: Dr. Katrine Camilleri


Preisträgerin 2014/15: Dr. Alganesc Fessaha


Preisträger 2014/15: Petite Flamme

Die Preisträger 2014/15

Dr. Katrine Camilleri

Dr. Katrine Camilleri ist eine maltesische Anwältin und die Direktorin des Jesuiten-Flüchtlingsdienstes in Malta. Seit fast 20 Jahren setzt sie sich für die Rechte von Flüchtlingen ein, die auf Flüchtlingsbooten nach Malta kommen, besucht diese in maltesischen Aufnahmelagern und berät sie in Rechts- und Verwaltungsfragen, bis über deren Status entschieden ist.

Seit August 2011 leitet Dr. Camilleri das Malta-Büro der internationalen Flüchtlingsorganisation "Jesuit Refugee Service" (Jesuiten-Flüchtlingsdienst). Die Organisation war im Jahr 2002 die erste, die regelmäßig Flüchtlinge in den Auffanglagern Maltas juristisch betreute. Seitdem haben Dr. Camilleri und ihre 18 Mitarbeiter hunderten Flüchtlingen juristischen Beistand gegeben, Besuche organisiert, Sozialarbeiter-Projekte eingerichtet und den Zugang zur Gesundheitsfürsorge erleichtert.

Im Jahr 2006 kam es zu Gewalt gegen die Person und Arbeit von Dr. Camilleri. Bei zwei Anschlägen wurden insgesamt neun Fahrzeuge der Jesuiten verbrannt. Im April 2006 flogen Brandsätze in das Auto von Dr. Camilleri und gegen ihre Wohnungstür. Die im Haus gefangene Familie kam mit dem Schrecken davon. Die Anschläge haben die maltesische Öffentlichkeit wachgerüttelt und zu scharfen Verurteilungen auch innerhalb der Regierungskreise geführt.

Als erfahrene Flüchtlingsrechtsexpertin äußert sich Dr. Camilleri immer wieder zu politischen Fragen von Migration und Flüchtlingen. Sie kritisiert, dass Zielländer von Migranten sich zunehmend bemühen, den Zustrom durch strengere Grenzkontrollen einzudämmen. Durch die Zurückweisung an der Grenze werde das Recht auf Asyl verletzt. Außerdem kritisiert sie die Praxis der maltesischen Behörden, Asylbewerber gleich nach ihrer Ankunft in Haft zu nehmen. Nach dem maltesischen Ausländergesetz werden Migranten inhaftiert, denen die Einreise verweigert wurde oder gegen die ein Abschiebungsbefehl verhängt wurde. Sie bleiben in Haft, selbst wenn sie einen Asylantrag stellen. Die Asylverfahren dauern durchschnittlich 6-8 Monate.

Dr. Camilleri wurde im Jahr 1970 in Malta geboren und arbeitete nach ihrem Jura-Studium zunächst in einer kleinen Anwaltskanzlei, bevor sie im Jahr 1996 zum Jesuiten-Flüchtlingsdienst kam. Seit 2003 gibt sie Vorlesungen zum Flüchtlingsrecht und koordiniert eine Studiengruppe zu diesem Thema an der Universität Malta. Für ihr Engagement für die Rechte der Bootsflüchtlinge im Mittelmeer wurde sie im Jahr 2007 mit dem Nansen Refugee Award der Vereinten Nationen geehrt.

Dr. Alganesc Fessaha

Dr. Alganesc Fessaha ist eine eritreisch-italienische Menschenrechtlerin, die afrikanische Flüchtlinge in Nordafrika humanitär unterstützt, Flüchtlinge aus den Fängen von Menschenhändlern befreit und weltweit auf das Schicksal von Flüchtlingen aufmerksam macht, die im ägyptischen Sinai und in Libyen Opfer schlimmster Misshandlungen durch Schlepperbanden werden.

Das wichtigste Anliegen von Dr. Alganesc Fessaha ist die Befreiung von afrikanischen Flüchtlingen, die auf der Flucht von Menschenhändlern verschleppt werden. Sie reist regelmäßig in den Sinai (Ägypten) und nach Libyen, wo sie unter großem persönlichen Risiko und mit Hilfe lokaler Machthaber Verschleppte ausfindig macht, ohne Zahlung von Lösegeld aus Folterkellern befreit und an den UNHCR oder an andere Flüchtlingsorganisationen übergibt. In den vergangenen fünf Jahren hat Dr. Fessaha 550 Flüchtlinge aus den Händen von Schleppern und 2.300 aus Gefängnissen im Sinai befreien können.

Menschenrechtsorganisationen gehen davon aus, dass seit August 2009 zwischen 25.000 und 30.000 Flüchtlinge vom Horn von Afrika in den Sinai verschleppt wurden. Fast die Hälfte aller Opfer sind Frauen und Kinder. In sogenannten Foltercamps werden die Opfer systematisch und auf brutalste Art und Weise gefoltert. Während der Folter werden die Flüchtlinge gezwungen, ihre Familienangehörigen in den Herkunftsländern, aber auch in Deutschland und anderen Ländern weltweit anzurufen. Das Ziel der Folterer ist, dadurch Lösegelder in Höhe von bis zu 60.000 US-Dollar von den Familienangehörigen ihrer Geiseln zu erpressen. Aktivisten schätzen, dass bislang mindestens 600 Mio. US-Dollar auf diese Weise geflossen sind. Die Vereinten Nationen bezeichnen den Menschenhandel im Sinai als "eine der am wenigsten bekannten humanitären Krisen in der Welt". Dr. Fessaha reist seit Jahren um die Welt, um auf das Schicksal dieser Menschen aufmerksam zu machen.

Um den Überlebenden der Folter und anderen Flüchtlingen langfristig humanitär helfen zu können, gründete Dr. Fessaha im Jahr 2003 zusammen mit anderen Medizinern und Freunden die NGO "Gandhi", die sich in 12 nordafrikanischen Ländern um Flüchtlinge und Waisenkinder kümmert und Ernährungs- und Gesundheitsprogramme in Flüchtlingscamps aufbaut. Auch hilft die Organisation Flüchtlingen in Mailand, dem Sitz der NGO, bei Behördengängen.

Dr. Fessaha wurde 1948 in Eritreas Hauptstadt Asmara geboren. Nach der Schule verließ sie ihre Heimat, um in Mailand zu studieren. Sie blieb in Italien, besitzt inzwischen auch die italienische Staatsbürgerschaft und lebt in Mailand.

Petite Flamme

Petite Flamme ist ein kongolesisches Schulprojekt. Es wurde 1996 in Kinshasa gegründet und betreibt heute 12 Schulen für über 2.200 Kinder aus bitterarmen Familien, überwiegend in den Slumbezirken der kongolesischen Hauptstadt. Petite Flamme ist die einzige Schulorganisation in der Demokratischen Republik Kongo, in der die Kinder Unterrichtsmaterialien, Schuluniformen, Essen und eine vollständige Gesundheitsversorgung erhalten.

Ins Leben gerufen hat das Schulprojekt die christliche Fokolar-Bewegung unter der Leitung der deutschen Theologin Dr. Monika-Maria Wolff, die Petite Flamme in den Folgejahren zu einer großen Schulorganisation weiterentwickelte. Anfangs waren es 25 Kinder, die in den Räumen eines ausgeplünderten, leerstehenden Schulgebäudes betreut und unterrichtet wurden. Inzwischen betreiben die über 100 Mitarbeiter von Petite Flamme unter der Leitung der beiden kongolesischen Direktoren Dada Adeline Diambu Mbinda und Odon Makela Dhombazi Basosa Schulen an neun Standorten in den Armenvierteln Kinshasa sowie im Umland der Hauptstadt.

Petite Flamme finanziert sich weitgehend über Spenden und Patenschaften. Die Unterstützung des Projekts durch deutsche Paten begann im Jahr 2006, als sich die Bundeswehr an der EU-Operation "EUFOR RD CONGO" zur Sicherung der ersten demokratischen Wahlen im Kongo beteiligte. Leiter des deutschen Kontingents von 780 Soldaten war Flottillenadmiral Henning Bess. Er besuchte mit seinen Soldaten Petite Flamme. Viele der Soldaten waren so beeindruckt, dass sie noch vor Ort die ersten Patenschaften übernahmen. Die Paten zahlen 20 Euro im Monat. Dafür bekommt ein Kind Schulbildung, Gesundheitsversorgung, eine hoch proteinhaltige warme Mahlzeit pro Tag sowie eine Schuluniform. Henning Bess und seine Frau Jule Müller betreuen von Potsdam aus inzwischen über 320 deutsche Paten.

Viele ehemalige Schüler berichten, dass sie ihre eigene Zukunft im Kongo sehen – dank der Unterstützung durch Petite Flamme. Sie wollen nicht als Flüchtlinge gen Norden reisen, sondern mit ihrer Bildung und ihrer Ausbildung dazu beitragen, ihr Heimatland Kongo, das zu den ärmsten Ländern der Welt gehört, voranzubringen. Projekte wie Petite Flamme tragen also maßgeblich dazu bei, künftige Flüchtlingsströme zu verhindern.