Der Preisträger 2009 des Roland Berger Preises für Menschenwürde, die internationale Organisation Reporter ohne Grenzen (ROG), hat eine Anlaufstelle für verfolgte Journalisten eröffnet. Die Einrichtung des Referates „Hilfe für Journalisten in Not" wurde mit einem Anteil der insgesamt 900.000 Euro Preisgeld ermöglicht.
Mit der Schaffung des neuen Referates „Hilfe für Journalisten in Not" bietet die in Berlin ansässige deutsche ROG-Sektion verfolgten Medienmitarbeitern eine systematische und gezielte Unterstützung. „Diese Menschen sind weltweit auf Hilfe angewiesen", erklärte ROG-Generalsekretär Jean-François Julliard bei der Vorstellung des neuen Arbeitsbereichs bei einer Pressekonferenz am 19. Februar in Berlin. Juristische Hilfe, finanzielle Unterstützung und sichere Unterkunft in akuten Bedrohungssituationen sowie Hilfe auf der Flucht gehört zu den Schwerpunkten des neuen Arbeitsbereichs, für den die Juristin Alexandra Tryjanowski zuständig ist.
Insbesondere für diese konkreten und mutigen Hilfsmaßnahmen für verfolgte Journalisten und deren Angehörige erhielt ROG den Roland Berger Preis für Menschenwürde 2009. "Reporter ohne Grenzen haben es sich zur Aufgabe gemacht, Verletzungen der Pressefreiheit zu dokumentieren, besonders schwerwiegende Verstöße bekannt zu machen und in Not geratene Journalisten zu unterstützen", sagte Prof. Dr. h.c. Roland Berger, Gründer und Vorsitzender des Kuratoriums der Roland Berger Stiftung. "Die Auszeichnung dieser internationalen Organisation mit dem ‚Roland Berger Preis für Menschenwürde' soll uns alle ermutigen, das hohe Gut der Presse- und Meinungsfreiheit zu schützen und als aktive Bürger selbst zu gebrauchen. Pressefreiheit ist, wie es die ehemalige Präsidentin des Bundesverfassungsgerichtes einmal trefflich formulierte, eine dienende Freiheit, die Journalistinnen und Journalisten um ihrer Aufgabe willen eingeräumt wird, eine freie und umfassende Meinungsbildung in einer Gesellschaft herzustellen und zu gewährleisten. Für den ‚Preis der Wahrheit' setzen tagtäglich Tausende von Journalisten in vielen Ländern der Welt ihr Leben aufs Spiel oder riskieren ihre materielle Existenz. Dabei ist es gerade die notwendige Öffentlichkeit von Fakten und Meinungen, auch unbequemer Art, die eine freiheitliche demokratische Meinungsbildung und damit die Demokratie selbst ermöglicht."
Bei der Veranstaltung in den neuen Geschäftsräumen von Reporter ohne Grenzen in Berlin-Mitte wies Generalsekretär Julliard auf die anhaltend hohe Flüchtlingszahl unter Medienschaffenden hin und übte Kritik an der Visa-Politik der EU: „Viele Journalisten und Internetaktivisten riskieren ihr Leben bei illegalen Einreiseversuchen, weil es praktisch unmöglich ist als Flüchtling ein Einreise-Visum für ein europäisches Land zu erhalten. Die EU-Staaten müssen sich ihrer Verantwortung stellen und verfolgten Medienmitarbeitern, Bloggern und Menschenrechtsaktivisten zügig und unbürokratisch helfen", forderte der Generalsekretär. Nur so könnten diese Menschen ausreichenden Schutz finden.
