Zum Tod unseres Preisträgers Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl

Im Jahr 2010, in dem Deutschland den 20. Jahrestag seiner Wiedervereinigung feierte, haben wir Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl mit dem Roland Berger Preis für Menschenwürde ausgezeichnet. Denn uns und unserem international besetzten Preisvergabekomitee war wichtig, diesen außergewöhnlichen Staatsmann bereits zu Lebzeiten für sein historisches politisches Lebenswerk zu ehren – ein Lebenswerk, das seinen Höhepunkt gefunden hat in der Vertiefung der europäischen Integration und der Wiedervereinigung Deutschlands sowie in dessen Eingliederung in das vereinigte Europa und das westliche Bündnissystem. Helmut Kohl vollendete die deutsche Einheit, als sich die historische Chance dazu bot. Damit wurde für die fast 17 Millionen Bürger des ehemaligen Unrechtsstaates DDR ein Leben in Freiheit und Menschenwürde gemäß Artikel 1 des Grundgesetzes Wirklichkeit.
 
Prof. Dr. h.c. Roland Berger, Gründer und Kuratoriumsvorsitzender der Roland Berger Stiftung, erinnert sich an einen außergewöhnlichen Menschen: "Für Helmut Kohl war die deutsche Einheit nie Utopie, sie war ihm immer eine Lebensaufgabe. Er hat sein gesamtes politisches Leben lang am Ziel der deutschen Einheit und an der Präambel unseres damaligen Grundgesetzes festgehalten, in freier Selbstbestimmung die Einheit und Freiheit Deutschlands zu vollenden. Dass in einem Teil Deutschlands Menschen unterdrückt und ihrer bürgerlichen Freiheitsrechte beraubt wurden, widersprach Dr. Helmut Kohls Werten von Freiheit und Selbstbestimmung zutiefst. ‚Wenn der Mantel Gottes durch die Geschichte weht, muss man zuspringen und ihn festhalten’, hat Otto von Bismarck einmal gesagt. Dr. Helmut Kohl hat sich getraut zu springen und geschafft, was über Jahrzehnte undenkbar gewesen war: Mit Entschlossenheit, politischem Geschick und dem Vertrauen, das er in Ost und West genoss, gelang es ihm, Deutschland weniger als ein Jahr nach dem Mauerfall wieder zu einen. Geleitet haben ihn dabei stets seine Ideale von Menschenwurde und Freiheit, von Selbstbestimmung und Frieden.“
 
In seiner Laudatio auf den Preisträger sagte der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski (†) beim Festakt am 26. April 2010 in Berlin: "Es stimmt zwar, dass der politische und soziale Umbruch der Jahre 1989/90 als Folge des aufgestauten und aufbrausenden Freiheitswillens der Mittel- und Osteuropäer ohnehin nicht mehr in Schranken zu halten gewesen wäre. Aber solche historischen Augenblicke brauchen nicht nur den Willen der Massen, sondern auch die Vision der Einzelnen. Helmut Kohl gehörte zu solchen Visionären der europäischen Politik. Er war unter jenen, die die Zeichen der Zeit erkannt haben und die Gunst der Stunde zu nutzen wussten. Nicht für alle war diese Vision damals selbstverständlich." Überreicht wurde der Preis vor 500 geladenen Gästen im Konzerthaus am Gendarmenmarkt vom damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler, der mit den Worten endete: „Ich empfinde heute vor allem Dankbarkeit für die große Leistung Helmut Kohls.“ Die Roland Berger Stiftung und ihr Stifter danken ihrem Preisträger und trauern.
 

Bilder von der Preisverleihung 2010


Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler würdigte Bundeskanzler a.D. Dr. Helmut Kohl in seiner Ansprache.


Der ehemalige polnische Außenminister Wladyslaw Bartoszewski (†) hielt die Laudatio.


Stifter Roland Berger, Christoph Keese (Journalist, ehem. Chefredakteur der "Welt am Sonntag") und Jean-Francois Juillard (Journalist, Generalsekretär von "Reporter ohne Grenzen", Preisträger 2009) mit Moderatorin Julia Schöning


Hessens Ministerpräsident a.D. Roland Koch nahm den Preis stellvertretend für Helmut Kohl entgegen, der aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesend sein konnte.


Der hessische Ministerpräsident a.D. Roland Koch, Bundespräsident a.D. Prof. Dr. Horst Köhler, der ehemalige polnische Außenminister und Laudator Wladyslaw Bartoszewski und Stifter Prof. Dr. h.c. Roland Berger bei der Preisübergabe

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